Die gute Wegwerfgesellschaft
Nach ihren Komponenten teilt „Cradle to Cradle“-Mastermind Braungart sämtliche industrielle Erzeugnisse in zwei Gruppen: Verbrauchsgüter wie Naturfasern, Verpackungsmaterialien, Kosmetikartikel und Gummibeläge zersetzen sich oder verschleißen. Ihre Reststoffe sollen umweltverträglich in biologische Zyklen rückführbar sein. Gebrauchsgüter hingegen verlieren mit der Zeit nicht ihre Form, wohl aber ihre Funktion. Sie müssen so entwickelt werden, dass ihre Bestandteile nach Gebrauch als technische Nährstoffe zur Gänze recycled werden können. Derartige Produkte bleiben von vornherein im Eigentum der Hersteller. Das sogenannte Service-Konzeptmodell sieht vor, dass der Händler dem Konsumenten nur die Nutzung eines Produkts gegen ein entsprechendes Entgelt zu Verfügung stellt und es zu einem vereinbarten Zeitpunkt wieder zurücknimmt. So wird der Konsument nicht nur aus der Verantwortung genommen, wenn es um die fachgerechte Entsorgung bzw. Wiederverwertung geht, auch Wartung, Reparatur und Service bekommen einen neuen Stellenwert. Das Verhältnis zwischen Produzent, Händler und Endabnehmer verändert sich. Aus einer einmaligen Kaufhandlung wird eine womöglich über viele Jahre hinweg andauernde Dienstleistungsbeziehung.
Die Vorteile von „Cradle to Cradle“ liegen auf der Hand – nicht nur für die Umwelt, sondern auch für Forschung, Wirtschaft, Unternehmen,Arbeitsmarkt und Konsumenten. Das Modell besitzt das Potential, den industriellen Herstellungsprozess und in Folge einen nicht unbeträchtlichen Teil unseres alltäglichen Lebens zum Positiven hin zu verändern. Sicher ist jedoch auch, dass diese Entwicklung nicht von heute auf morgen erfolgen kann. Erste Schritte vom traditionellen, linearen Fertigungsprozess zu einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft wurden bereits unternommen. Doch auch die letzte Wegstrecke hin zu einem industriellen Ökosystem ist zeit- und kostenintensiv. Auch wenn sie sich auf lange Sicht mehr als bezahlt machen wird, wie nicht nur die Global Player Xerox, Carrier, BASF u. a., sondern auch zahlreiche regionale Klein- und Kleinstfirmen mit innovativen Produkten und Technologien beweisen.
